27.4.06

Ich habe recht!




Wenn ich bis jetzt etwas gelernt habe, ist es die Tatsache, dass die grossen Begriffe in der Lerntheorie oder Kommunikationstheorie von unzähligen Personen anders definiert werden. Das ist zwar lästig und unangenehm, hat mich selber oft irritiert und wurde an dieser Stelle auch mehrmals thematisiert. Aber offensichtlich gehört das zum wissenschaftlichen Alltag und ist eine Folge von Wandel und neuer Erkenntnis.

Um so mehr erstaunen mich dann absolute Aussagen von gestandenen Wissenschaftlern in den Studienbriefen wie zum Beispiel: Der Begriff Massenmedien enthält im Grunde gleich zwei falsche Annahmen. Falsch ist der Begriff deshalb, weil sich sowohl der Begriff Masse wie der Begriff Kommunikation nicht mit der Definition des Autors deckt. In meiner vielleicht etwas naiven Art hätte ich erwartet, dass es rein wissenschaftlich gesprochen nicht falsch ist einen Begriff anders als andere zu definieren - wird ja laufend mit entsprechendem Zitat gemacht - aber hier gibt es offensichtlich noch einiges an Lernpotential für mich.

26.4.06

Zehn lehrreiche Podcasts

Dank Heinz Sigenthaler bin ich auf den Check-Point eLearning gestossen. Das Thema Podcast ist bei uns zur Zeit sehr aktuell. Wir organisieren eine Tagung für Schulen dazu. Aus diesem Grund passt die Seiten 10 lehrreiche Podcasts und Wissen auf die Ohren von Check-Point eLearning gut dazu.

Selbstkritik

Da habe ich doch immer über die willkürliche und ärgerliche Begriffsinflation gewettert - zu Recht, wie ich immer noch finde. Und nun mache ich das selber ganz selbstverständlich mit dem Begriff dynamisches Lernen.

Tja, ich sollte mich schämen!

22.4.06

Stelenfeld als Auslöser dynamischen Lernens

Das Stelenfeld des Holocaust Mahnmals hat mir in vieler Hinsicht zu denken gegeben. Das Denkmal ist als Ort sehr eindrücklich und künstlerisch- architektonisch ausgezeichnet gemacht. Es ist ästhetisch sehr schön, wenn man so etwas von einem Denkmal mit einem so traurigen und schrecklichen Hintergrund sagen kann. Durch seine einfache und offene Bauweise provoziert es die verschiedensten Arten des Umgangs.
Es ist auf öffentlich zugänglichem Gelände so gebaut, dass die ersten Betonstelen ebenerdig neben dem Trottoir eingelassen sind. Sie werden gegen das Innere des Stelenfelds immer höher und die Gänge immer tiefer. Das bringt es mit sich, dass die meisten Menschen über einige der ersten, bodenebenen Stelen gehen, manche Erwachsene setzen sich auf niedrige Stelen und Kinder gehen darüber. Mit zunehmender Höhe der Stelen wird jedoch das Bewusstsein grösser, dass es sich bei diesen um Teile des Denkmals handelt. Deshalb werden die höheren Stelen nur von wenigen Personen bestiegen. Aber einige Leute, meist Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsenen springen auch von Stele zu Stele.
Viele Leute gehen aber auch still durch das Feld oder legen sogar Blumen, meist Rosen auf die Stelen.
Nun findet folgender dynamischer Prozess statt, der meiner Meinung nach exemplarisch für die Botschaft des Mahnmals aber auch den Umgang mit Rassismus und schrecklichen Ereignissen ist.

Nicht alle empfinden den den Umgang mit dem Mahnmal gleich. Die einen stört bereits, dass Kinder auf den Stelen gehen, andere sehen darin gerade ein Zeichen von Hoffnung, ein Zeichen, dass die Kinder über das Böse und Schreckliche hinweggehen können. Andere haben andere Grenzen, es entwickeln sich Gespräche, aber auch emotionale, schroffe und betroffene Auseinandersetzungen, Zurechtweisungen. Leute des Ordnungsdienstes müssen uneinsichtige Personen darauf hinweisen, dass Hunde nicht ins Mahnmal gehören, dass die Stelen nicht für Picknicks und Biertischpartys gedacht sind.



Dieser Prozess ist für eine Gesellschaft enorm wichtig. Es geht nicht ohne das permanente Aushandeln von Grenzen. Dabei gibt es kollektive Regeln, die sich verschieben können, je nachdem wie viele einzelnen Personen die Dinge so oder so empfinden. Es ist dabei aber auch wichtig auf die Gefühle von Minderheiten Rücksicht zu nehmen ohne dogmatisch zu werden. Es ist eine dynamischer Lern-Prozess, der nie zu Ende ist.

Auf Rassismus bezogen kann man sich fragen, wann er beginnt, wann man individuell eingreifen sollte, soll, muss, wann Rücksicht angebracht ist, wo Toleranz gefordert ist, aber auch wo Missbrauch durch den Rassismusvorwurf getrieben wird, wo Anpassungsleistungen von wem erbracht werden müssen.

Dass das Mahnmal diesen Denk- und Lern-Prozess auslöst und dass die Berliner den Prozess führen und aushalten, hat mich beeindruckt.

Artikel, der verschiedene Aspekte beleuchtet..
Offizielle Seite des Mahnmals
Artikel über unachtsamen Umgang mit dem Mahnmal

Berlin

Bin gerade aus Berlin zurück. Was mich stark beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie Berlin mit seiner Geschichte umgeht. Noch nie habe ich erlebt, dass sich eine Stadt so intensiv und demonstrativ mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.

Gedankensplitter

Eine Stadt mit langer Vergangenheit und Geschichte, aber davon sind praktisch nur noch Bilder und Literatur vorhanden. Die Orte sind geografisch noch da, aber sie sehen nicht mehr so aus wie früher, sind durch den Krieg praktisch völlig zerstört und durch den Aufbau kaum mehr herstellbar. Wie geht man damit um, dass die eigene Geschichte nicht mehr sichtbar ist?

Potsdammerplatz früher und heute

Was geht wohl in Personen vor, die in den 20er/30er-Jahren geboren worden sind, die all die Veränderungen erlebt haben? Was heisst das für ihr Lernen, ihre Konstruktion der Wirklichkeit, ihre Persönlichkeit? Wie können sie persönlich auf ihre Vergangenheit zurückgreifen, alles in ihr Denk- und Empfindungsschema integrieren? Und wie macht das eine Gesellschaft, wenn das städtebauliche Bild sich so starkt ändert, was macht man mit der Vergangenheit, die doch auch für die Gegenwart und Zukunft von Bedeutung ist?

Hat es aus diesem Grund so viele Museen und Gedenkstätten? Und welche Auswirkungen hat das intensive Bauen auf die Menschen, all die neuen Gebäude, welche nach der Wende in Windeseile viel Raum überbauen, den man im Augenblick nicht als wichtig anschaut. Wäre hier nicht mehr Langsamkeit angesagt, der den Menschen erlaubt sich mit der neuen Situation zu zurecht zu finden?
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Aktion zur Rettung der Ampelmännchen.
An einer vermeintlichen Kleinigkeit wird sichtbar, wie wichtig Details für die Menschen sind. Diese können nicht durch die grossen Würfe, wie die Reichstagskuppel aufgewogen werden, obwohl auch diese wichtig sind, aber eben nicht nur.

Sehr spannend fand ich auch die zwei Filme, Der Himmel über Berlin und seine Fortsetzung In weiter Ferne so nah! von Wim Wenders anzuschauen. Der erste Film wurde noch vor dem Fall der Mauer gedreht, der zweite acht Jahre später, mit den gleichen Schauspielern und Schauspielerinnnen, zum Teil an den selben Orten. Die Filme, welche ich als sehr sorgfältig und berührend gemacht empfinde zeigen in vielen Facetten den rasanten Wandel, der in Berlin stattgefunden haben muss.

7.4.06

Sinn und Art von Prüfungen

Die Zwischenprüfungen stehen an.

Dabei stellen sich mir diverse Fragen nach Sinn und Art dieser Prüfungen.

Prüfungsanlage
Die Prüfung findet zu drei Themengruppen statt. Jedes Thema wird während einer Stunde "handschriftlich" geprüft. Dabei können keine Unterlagen und kein Laptop verwendet werden.

Ziele und Methoden des Studiengangs gemäss Eigendeklaration

Unsere Studienangebote dienen - als wissenschaftliche Weiterbildung - der Weiterentwicklung beruflicher Kompetenz. Wir möchten Ihnen aktuelle Inhalte auf dem Stand der wissenschaftlichen Diskussion vermitteln. Das beinhaltet sowohl theoretische Konzepte als auch praxisnahe Fertigkeiten für die Anwendung im Kontext Ihrer beruflichen Tätigkeit.

Fragen und Überlegungen
Ich frage mich, ob diese Art von Prüfung noch zeit- und altersgemäss ist und ob sie sowohl der Arbeitsrealität wie den aktuellen vertretenen Lehr-/Lerntheorien entspricht. Es geht mir hier nicht darum weniger zu lernen, sondern eher darum einen möglichst guten Nutzen aus der Lernzeit und aus den Prüfungen zu ziehen. Etwas an dem die Institution ebenfalls Interesse haben sollte.

In meinem Arbeitsalltag steht mir jederzeit die benötigte Fachliteratur zur Verfügung. Was ich nicht gerade weiss, weil ich es täglich brauche, kann ich nachschauen. Dieser Ansatz wird bei den Aufgaben zu den Studienbriefen verwendet.
Bei den Prüfungen ist es nicht mehr möglich auf die Literatur zurückzugreifen. Das führt dazu, dass jemand, der die Theorien zwar verstanden hat, sie anwenden und mit seinem Berufsalltag verknüpfen kann, also dem, was in der Praxis gefordert ist, die Prüfungen trotzdem nicht bestehen wird, wenn er oder sie gewisse Details, die für die Fragestellung wichtig sind, gerade nicht abrufen kann.

Die Teilnehmenden wählen diesen Studiengang, weil sie sich freiwillig für diese Weiterbildung entschieden haben. Sie bezahlen dafür, dass sie lernen können. Man kann also davon ausgehen, dass sie sich mit der Materie beschäftigen, zumal sie ja schon durch die Aufgaben zu den Studienbriefen dazu gezwungen werden.

Weshalb darf also nicht auf die Unterlagen zurückgegriffen werden? Traut die Institution ihren eigenen Grundsätzen nicht? Wie steht es mit der Praxisnähe? Soll nicht auch möglichst realitätsnah und komplex gelernt und geprüft werden? Oder heisst Realitätsnähe bei Prüfungen plötzlich wieder Rückfall in die Mittelschuldidaktik, wo die Abfrage des Faktenwissens gegenüber der Prüfung von Anwendungswissen dominiert.

Als Schreibwerkzeug wird in der Regel der Computer verwendedet. Texte, die auf einem Computer geschrieben werden, wachsen auf eine andere Art, als handschriftliche Texte. Sie können nachträglich umstrukturiert werden, wachsen aus diesem Grund weniger linear.
Handschrift macht meines Erachtens hier wenig Sinn, entspricht kaum der Alltagsrealität, erschwert das Korrigieren, verfälscht den Eindruck des Inhalts, wenn jemand unleserlich schreibt oder die Struktur nachträglich ändert.
Hier entsteht bei mir der Eindruck, dass es sich hauptsächlich um ein organisatorisches Problem der Institution handelt, das durch die Bedingung "Unterlagen können nicht verwendet werden" entsteht. Es können nicht genügend Computer zur Verfügung gestellt werden, die Laptops der Teilnehmenden könnten Unterlagen enthalten, also bleibt noch die Handschrift.

Alternative Prüfung
Wie könnte eine mögliche Prüfung aussehen, welche nicht weniger anspruchsvoll ist. Ich wage einen Versuch.

Ausgangsbedingungen
Alle Unterlagen sind erlaubt, Laptops der Teilnehmenden sind erlaubt. Es wird der gesamte Stoff geprüft, keine Reduktion der Studienbriefe.

Fragestellung
Die Fragen werden so gestellt, dass es nicht primär darauf ankommt alle Details einer Theorie aufzuzählen, sondern dass die Details sinngemäss und sinnvoll angewendet werden können. Dass fächerübergreifende Ansätze verfolgt werden, die Themen Kommunikationstheorien, Methodik-Didaktik und Lerntheorien mit Technik verbunden werden müssen. Dabei sorgt die Zeitbeschränkung auf eine Stunde dafür, dass ohne gutes Studium der Unterlagen niemand ohne wirkliches Verständnis der Materie die Aufgaben lösen kann.

Konsequenzen
Dieser Ansatz zwingt zur genauen Auseinandersetzung mit der gesamten Materie, zwingt zu fächerübergreifendem Denken, zur Erweiterung der kognitiven Strukturen, ist realitäts- und praxisnahe und setzt den Schwerpunkt auf prozeduralem Wissen. Die Zeit vor den Prüfungen muss und kann mehr für das Lernen von Inhalten und Zusammenhängen verwendet werden, als dass zuerst reine Fakten gelernt werden müssen und für den Rest, wenig Zeit bleibt.

Interessant wäre auch ein Versuch mit Prüfungsaufgaben, die in kleinen Teams gelöst werden könnten. In einem realitätsnahen und dem konstruktivistischen Lernverständnis verpflichteten Denken könnte eine solche Form sinnvoll sein.

Archaische Muster
In Prüfungssituationen - so meine ganz private Theorie - verfallen die Institutionen und Lehrpersonen gerne in alte Muster zurück. Gegen aussen und vielleicht auch im Unterricht, wird fortschrittlicher geredet und auch gehandelt. Wenn es dann aber um die Beurteilung geht, kommen die archaischen Muster plötzlich an die Oberfläche.



5.4.06

Philosphische Aspekte der Robotik


Zu diesem Thema habe ich ein Handout gefunden, welches im Rahmen eines Seminarvortrags am Rechenzentrum der RWTH (?) Aachen gehalten worden ist.
Das Handout enthält interessante Literaturtipps zum Thema.