22.4.06

Berlin

Bin gerade aus Berlin zurück. Was mich stark beeindruckt hat, ist die Art und Weise, wie Berlin mit seiner Geschichte umgeht. Noch nie habe ich erlebt, dass sich eine Stadt so intensiv und demonstrativ mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.

Gedankensplitter

Eine Stadt mit langer Vergangenheit und Geschichte, aber davon sind praktisch nur noch Bilder und Literatur vorhanden. Die Orte sind geografisch noch da, aber sie sehen nicht mehr so aus wie früher, sind durch den Krieg praktisch völlig zerstört und durch den Aufbau kaum mehr herstellbar. Wie geht man damit um, dass die eigene Geschichte nicht mehr sichtbar ist?

Potsdammerplatz früher und heute

Was geht wohl in Personen vor, die in den 20er/30er-Jahren geboren worden sind, die all die Veränderungen erlebt haben? Was heisst das für ihr Lernen, ihre Konstruktion der Wirklichkeit, ihre Persönlichkeit? Wie können sie persönlich auf ihre Vergangenheit zurückgreifen, alles in ihr Denk- und Empfindungsschema integrieren? Und wie macht das eine Gesellschaft, wenn das städtebauliche Bild sich so starkt ändert, was macht man mit der Vergangenheit, die doch auch für die Gegenwart und Zukunft von Bedeutung ist?

Hat es aus diesem Grund so viele Museen und Gedenkstätten? Und welche Auswirkungen hat das intensive Bauen auf die Menschen, all die neuen Gebäude, welche nach der Wende in Windeseile viel Raum überbauen, den man im Augenblick nicht als wichtig anschaut. Wäre hier nicht mehr Langsamkeit angesagt, der den Menschen erlaubt sich mit der neuen Situation zu zurecht zu finden?
Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Aktion zur Rettung der Ampelmännchen.
An einer vermeintlichen Kleinigkeit wird sichtbar, wie wichtig Details für die Menschen sind. Diese können nicht durch die grossen Würfe, wie die Reichstagskuppel aufgewogen werden, obwohl auch diese wichtig sind, aber eben nicht nur.

Sehr spannend fand ich auch die zwei Filme, Der Himmel über Berlin und seine Fortsetzung In weiter Ferne so nah! von Wim Wenders anzuschauen. Der erste Film wurde noch vor dem Fall der Mauer gedreht, der zweite acht Jahre später, mit den gleichen Schauspielern und Schauspielerinnnen, zum Teil an den selben Orten. Die Filme, welche ich als sehr sorgfältig und berührend gemacht empfinde zeigen in vielen Facetten den rasanten Wandel, der in Berlin stattgefunden haben muss.

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