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21.2.07

Ich, als externer Faktor des Leistungsprozesses




Beim Durcharbeiten des Studienbriefs "Bildungsmarketing" habe ich bei mir Zeichen von Widerstand und Unmut festgestellt. Diese haben sich so geäussert, dass ich die Materie anfänglich nur sehr widerwillig aufgenommen habe. Zeichen des Widerstands sind auch die vorherigen Blogeinträge. Ich denke, dass der Widerwillen und der Unmut davon herkommen, dass die Begriffe, welche im Text verwendet werden für mich in diesem Kontext ungewohnt sind. Im pädagogischen Bereich ist es eher verpönt von Menschen als Faktoren zu sprechen, und das, was in der Schule, Uni oder Fachhochschule geschieht, aus der Sicht des Marktes, der Wirtschaft zu benennen.

Das bedeutet nicht, dass es schlecht ist, dies zu tun. All zu oft wird in der Pädagogik oder in der Schule mit schwammigen Begriffen und pseudosozialen Argumenten verschleiert, was wirklich abläuft. Sogar oder besonders die Notengebung ist oft ein völlig undurchsichtiger Prozess, der durch das vermeintlich klare Ergebnis in Form einer Zahl, vorgibt objektiv und gerecht zu sein.

Trotzdem beschleicht mich ein ungutes Gefühl beim Durchlesen des Studienbriefs. Vielleicht deshalb, weil die Marketingsprache diejenige Sprache ist, in welcher in den letzten Jahren leider oft menschenverachtende Massenentlassungen oder Gewinnoptimierungen mitgeteilt worden sind. Eine Sprache, in der versprochen wird Bildung in einem Seminar oder Wordkurs zu lernen, weckt bei mir Misstrauensreflexe.

Nach diesen Erkenntnissen über meine Widerstände, fällt es mir bereits leichter, mich mit dem Inhalt des Briefes auseinander zu setzen und den Wert der Marketingsichtweise zu sehen.

Bildungsbegriff im Marketing


Nachdem Sie diesen Beitrag gelesen haben, sind Sie gebildet!

Ähnlich wie bei der Werbung, besteht auch im Marketing die Tendenz zur Schönung des Produkts. Wird im Studienbrief "Bildungsmarketing" Bildung für

  • Schulungsleistung zu einem komplexen Anlagegut,
  • Händlerseminare
oder
  • Produkteschulung
verwendet, wird der Bildungsbegriff auf die Vermittlung von Fertigkeiten wie: Wiedergeben, Bedienen, Anwenden oder bestenfalls Verstehen reduziert. Ob die Schulung des Personals zur Bedienung eines Magnetresonanztomografen tatsächlich schon Bildungsvermittlung ist, darüber lässt sich streiten. Wenn Bildung als Serviceinstrument interpretiert wird, hat das meiner Meinung nach mit einer sehr marketing- und werbelastigen Sicht auf Bildung zu tun, die wenig mit dem Bildungsbegriff von Klafki, von Humboldt, Fichte oder Kant zu tun. Aspekte wie Persönlichkeitsbildung, Integration in die Gesellschaft, Ethik oder Moral werden dabei völlig ausgeblendet.
Es wäre in diesem Zusammenhang vielleicht besser etwas bescheidener von Aus-, Fort- oder Weiterbildung zu sprechen.

Quelle Bildungsdreieck: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Bildungsdreieck.png

Realisierungspanne


Auch die Studienbriefe sind nicht gefeit vor wunderbaren Druckfehlern. Hier ein Beispiel aus "Bildungsmarketing", Version 6.2.2007, Seite 33:
Bildungsmarketing weist eine sehr grosse Realisierungspanne auf. […] Die Methodenvielfalt sollte jedoch niemanden davon abschrecken, seine eigenen Erfahrungen mit der Implementierung des Marketings zu machen.

Die Vielfalt möglicher Marketingpannen ist in der Tat gross, wie aufmerksame Beobachter/innen im Alltag unschwer entdecken können. Auch grosse Firmen - oder vielleicht gerade grosse Firmen sind nicht davor gefeit.
Im Gegensatz zu diesem Lehrgang, wo Pannen (bei eigenen Aufgaben oder im Lehrgang) für mich selbst eine gute Möglichkeit des Lernes darstellen, sind Pannen im Berufsalltag kaum wünschbar.

Bildquelle: http://www.riekmann.prohosting.com/magazin/buick_nationals_in_deutschland_2001/panne.jpg