29.11.05

Kleine Typologie der eMenschen: "Die Tutorin"

Ohne sie läuft gar nichts. Sie ist das Rückgrat der ganzen Sache, die stille Schafferin. So still nun doch wieder nicht. Sie arbeitet sich durch die Lernaufgaben, gibt zum hundertsten Mal eine Antwort auf die selbe Frage eines Teilnehmers, korrigiert sich durch die halb ausgegorenen Elaborate der Teilnehmenden, mahnt und fordert die fehlenden Beiträge ein, bleibt immer freundlich, aber bestimmt (nein diese Ausnahme können wir leider nicht machen – aber gerne geschehen). Sie ist nie krank und immer verfügbar (das denken jedenfalls die Teilnehmenden). Zum Glück hat sie ihre Kolleginnen und Kollegen, als psychohygienische Massnahme werden dann die Teilnehmenden durchgenommen, der Schwierige, die Zicke, der Besserwisser (ich brauche da ein Forum, das vom Funktionsumfang wesentlich mehr überzeugt) und der Süsse (Sie machen das einfach suuper!), die Hilflose (ich möchte ja gerne, aber mit Technik hab ich einfach nichts am Hut), , die Kompetente und der Normalo (zum Glück gibt’s den auch nocht).

26.11.05

Kognitives Modellieren

Abgeleitet von cognitive apprenticeship. Methode zum Trainieren von Lernstrategieen. Interessant finde ich den folgenden Aspekt

[…]Kognitives Modellieren ist deshalb wichtig, weil motivationale und kognitive Aspekte des Lernprozesses i.d.R. nicht offen beobachtbar sind und auch in herkömmlichen Unterrichtsformen in Schule, Hochschule und Weiterbildung selten direkt angesprochen werden. Durch kognitives Modellieren werden Prozesse «sichtbar» gemacht.[…] (Friedrich; 2005)

Dazu zwei Gedanken
  1. Eine Eigenschaft von vielen eLearning-Tools ist die Schriftlichkeit, welche es erlaubt Prozesse (Kommunikationsmuster, Denkprozesse - dieses Weblog, etc.) sichtbar zu machen. Diese Eigenschaft kann gezielt genutzt werden.
  2. Wenn Kursdesign mit Teilnehmenden besprochen, reflektiert wird, ist das allenfalls kognitives Modellieren. Angenommen ja, dann besteht die Gefahr, dass die Grenze, zwischen Rechtfertigung, Erklärung und kognitivem Modellieren verschwimmt. Diese Grenze oder Unschärfe muss im Auge behalten werden, damit der Wert des Modellierens erhalten bleibt bzw. dass es Modellieren bleibt. Wie in vielen anderen Kommunikationssituationen muss genau auf die Ebene geachtet werden (Sachebene, Beziehungsebene, Offenbarungseben und Appellationsebene).

Kleine Typologie der eMenschen: "Der Supporter"


Eigentlich gehört ihm der ganze Laden, er ist der virtuelle Hausmeister. Was würden die ohne ihn machen. Er sagts ja immer: Alles wäre so einfach ohne die User. Ja die Technik an sich, die funktioniert, eine saubere Sache. Mühsam sind die User. Wieso brauchen die Chat, Audiochat? Er macht doch nicht für jeden Dozenten einfach all seine Ports auf, da könnte er die Viren ja gerade selbst installieren. Rechner werden aufgesetzt, versiegelt, wozu brauchen die User Rechte? Die sollen arbeiten, nicht herumspielen. Und kann ihm mal jemand sagen, weshalb die da Vorlesungen am Abend und am Samstag machen?
Am liebsten hat er seine Kabel, USB, Ethernet, WLAN hoho!, das leise Summen der Server in ihren Racks, das Blinken der LEDs und ein gutes Bier – Prost!

25.11.05

Kleine Typologie der eMenschen: "Der schwierige Kursteilnehmer"

Das Schlimmste am schwierigen Kursteilnehmer ist, dass er fragt. Er ist doch hier zum Lernen, was fragt er denn immer. Das ganze Wissen wird ihm doch in all den schönen Unterlagen präsentiert. Aber er, er will wissen weshalb, er will wissen wieso genau, hat eigene Erfahrungen gemacht, vergleicht, diskutiert immer und gibt sich mit den gut gemeinten Hinweisen und den pauschalen Antworten nicht zufrieden, er will nicht der selben Meinung sein wie die Tutoren und erkennt in seiner beschränkten Kursteilnehmersicht nicht, dass diese ja nur sein Bestes wollen.
Er weist darauf hin, dass sich die Aussagen in den Papieren widersprechen. Statt die Inhalte der Unterlagen zu lernen, will er sie anwenden, kritisiert das Kursdesign, wenn es die lernpsychologischen und didaktischen Erkenntnisse aus den Unterlagen nicht exemplarisch umsetzt.
Er hat unrecht, irrt sich, aber er zahlt, ist der Lernende, er darf das.
Eben! - Er ist der schwierige Kursteilnehmer.

PS: Was macht man nicht alles, damit man die Unterlagen nicht bearbeiten muss ;-)

Kunst und Niederungen des Feedbacks

Es ist schon in der f2f Kommunikation schwierig gutes (differenziert, nach Feedbackregel) Feedback zu geben und anzunehmen. Im virtuellen Raum ist es noch viel schwieriger. Ich merke ja schlecht, was die Teilnehmenden wirklich machen und denken. Mir fehlen die Gesichter, die Gesten und die Körperhaltung der Teilnehmenden. Im direkten Kontakt spüre oder merke ich die Inkongruenz zwischen Aussage und Gesichtsausdruck.

Unangenehm habe ich das Feedback in der 3. netucate Sitzung empfunden, bei dem ein etwas schaler Nachgeschmack zurückgeblieben ist. Differenziertes Feedback ist schwierig kurz und auf allen Ebenen klar zu kommunizieren - das habe ich vermutlich nicht geschafft. Feedback sollte nicht in Diskussion/Rechtfertigung ausarten und wenn, dann sollte die Diskussion später zu Ende geführt werden - das hat die Tutorin nicht geschafft.


Wie mache ich es also als Kursleiter, dass ich differenziertes Feedback erhalte? Wie merke ich, was die Teilnehmenden wirklich meinen, wie kann ich mich verbessern?
Ich vermute indem ich Aussagen der Teilnehmenden ernst nehme, zurückfrage, möglichst nicht in die Verteidigungshaltung oder in Rechtfertigungsmechanismen zu verfallen. Ich glaube mir würde das als Teilnehmer entsprechen - ist aber schwierig, weiss ich als Kursleiter.

Welche Feedbacks sind denn wirklich sinnvoll? Was will ich damit erreichen?
Eine (nicht ganz) erst gemeinte Aufzählung:
  • Gutes Feedback für mein Ego. Vorgehen: Die Teilnehmerin als erste drannehmen, von der ich denke, dass sie mir am wohlsten gesinnt ist. Meist läuft es dann weiter positiv ab. Kaum jemand will noch negativ auffallen.
  • Gutes Feedback für meinen Chef/meine Chefin. Ähnlich vorgehen, wie oben, aber entsprechende Frage stellen z.B. nach Kompetenz der Kursleitung. Feedback mündlich vor allen, diese an Flipchart aufschreiben.
  • Feedback, damit die Kursteilnehmenden etwas loswerden können. Anonym in der Runde auf Zettel, kurz genügt.
  • Feedback, um einen kurzen Eindruck der Stimmung zu erhalten. In der Runde, kurz darauf hinweisen wie, Beispiele positiv und negativ wählen um zu zeigen, dass beides ok ist.
  • Feedback, damit ich differenzierte Meinungen und Vorschläge erhalte. Vorgehen: Nicht am Schluss, sondern vielleicht nach Pause, schriftlich, differenzierte Fragen stellen. Anonym.
  • Feedback, weil man das einfach so macht. Vorgehen: Weglassen
Je nach Ziel des Feedbacks muss ich anders vorgehen und reagieren. Aber auf keinen Fall sollte während des Feedbacks eine Hin- und Her Kommunikation entstehen.

netucate die Dritte

Musste zuerst etwas Zeit vergehen lassen, Abstand gewinnen. Die 3. Sitzung hat nichts Neues in Bezug auf Didaktik und Einsatzmöglichkeiten gebracht.

Ein interessanter Punkt sind die Wetterberichte

Lustigerweise hat sich bei der Begrüssung der Teilnehmenden das netucate-spezifische Wetterberichts-Ritual etabliert. Begrüssungsrituale, generell Rituale (Soziolog/innen mögen mir verezeihen, wenn ich den Begriff etwas strapaziere) sind natürlich auch in der Online-Welt wichtig. Normalerweise läuft ein Gespräch über einleitende Worte, welche eher die Funktion des sozialen Kontakts oder des Eintunens haben, zum Inhalt und gegen Ende wird der Ausklang inhaltlich wieder eher unwichtig und erfüllt nochmals soziale Funktion.

Ich stelle fest, dass die Ein- und Ausgangsphasen der Kommunikation im Textchat viel kürzer dauern, als beim Voice-Chat oder Telefonieren. Deshalb ist Textchat meiner Ansicht nach ein gutes Medium für kurze Anfragen. Hier wird Kürze nicht mit Unhöflichkeit interpretiert.

22.11.05

Gender und Bildung


Jede Person konstruiert sich aus den Perturbationen der Umwelt ihre selbstreferezielle, autopoetische Wirklichkeit, die sich in der Regel nicht hundertprozentig mit der Wirklichkeitskonstruktion einer anderen Person deckt.