16.4.07

Achtung ein unwissenschaftlicher Beitrag!

Manchmal - und gerade jetzt ist so ein Moment - geht mir das ganze wissenschaftliche Gelaber gewaltig auf den Keks. Auslöser dazu ist der Artikel über die Medienverwahrlosung.
Es geht dabei um die schon oft und immer wieder auftauchende Frage, ob Medienkonsum die Verrohung und Gewalttätigkeit fördern.
Und alles, was ich im Augenblick von Seiten der Expert/innen aus dem Medienpädagogiklager lese, ist immer wieder die selbe Leier: Achtung vor dem bewahrpädagogischen Zeigefinger! Schon seit Rousseaus Zeiten werde so argumentiert, bei jedem neuen Medium von neuem, von den Postmans, Spitzers und wie sie alle heissen. Dabei habe nie gezeigt werden können, dass ein direkter monokausaler Zusammenhang zwischen Medienkonsum und Gewalt bestehe. Wir müssten da differenziert an die Sache herangehen, nichts und niemanden verteufeln, verärgern, in die Pflicht nehmen oder zur Verantwortung ziehen. Das alles wäre viel zu unwissenschaftlich, zu wenig differenziert.

Aber vielleicht ist es einfach auch zu risikoreich, zu unbequem, zu unangenehm einmal etwas zu fordern, für etwas hinzustehen, das nicht ganz hieb und stichfest bewiesen ist. Das Gegenteil, nämlich dass kein Zusammenhang besteht, dass es unbedenklich ist mit 9 Jahren harte Pornos zu konsumieren, oder mit 11 brutale Hinrichtungen auf YouTube zu sehen, ist auch nicht bewiesen, wie so vieles andere in der Elfenbeinturmwelt der pädagogischen Wissenschaft. Und das liegt in der Natur der Sache Mensch. Es gibt meist keine direkten monokausalen Zusammenhänge, sondern alles ist leider und Gott sei Dank immer komplex und wir wünschten uns manchmal die einfachen Lösungen herbei.
Nur weil es diese oft nicht gibt, jedoch gar nichts zu machen oder schwammige Allgemeinplätze zu verbreiten, ist aber auch keine Lösung.
Wo bleiben denn die wirklich guten Alternativen, die mehr bieten als heisse Medienpädagogenluft? Wo sind die Grenzen, die nicht überschritten werden sollen, was wird denjenigen Personen empfohlen, die sich in einer realen, direkten Situation befinden, in der sie handeln müssen und auf klare Antworten warten. Wieviel Fernsehegewalt und wieviel Internetsex ist denn noch zumutbar? Was sage ich meinem Kind? Was soll es und was nicht? Wer sollte denn hier eine Antwort wissen, wenn nicht die Medienpädagogen?
Wer eine klare Antwort wagt, wird schnell in die Bewahrpädagogenecke gestellt und damit als wissenschaftlich unhaltbar abqualifiziert. Nur keine Strafen, nur keine klaren Aussagen, auf denen ich behaftet werden kann. Es lebe das differenzierte Nullrisiko-Medien-Expertentum!

Es gibt aber viele andere Professionen, von denen auf komplexe Fragestellungen klare Entscheide gefragt sind. Entscheide, die immer auch ein Risiko beinhalten. Soll man operieren oder nicht? Soll man ja stimmen oder nein? Soll man investieren oder nicht? Soll man die Stelle nehmen oder nicht? Soll man die Beziehung eingehen oder nicht?
Zum Glück warten die meisten nicht auf den Zeitpunkt, an dem alle Faktoren definitiv wissenschaftlich analysiert und der Zusammenhang klar bewiesen ist, sonst wären wir schon längst verblutet, vereinsamt, verarmt, arbeitslos oder ausgestorben.

So das wär's jetzt! Ich weiss, es war undifferenziert und wenig wissenschaftlich, viel zu emotional und vielleicht auch kindisch. Aber es hat so richtig gut getan.

Bildquelle: http://www.lettl.de «die Experten»

Achtung: Dieser Beitrag kann Spuren von Sarkasmus und Ironie enthalten.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Peter

Deinen Frust (oder Wut?) kann ich ein Stück weit nachvollziehen.

Im Moment bewegt sich der medienpädagogische Hochschul-Mainstream sicher nicht auf einer Verbotswelle. Diese Welle gibt es aber auch.
Aus meiner Sicht gibt es zwei wissenschaftliche Meinungen oder zumindestens Meinungen von Wisschenschaftlern: "Verbot von Medien" oder "Erlauben von Medien". Wobei bei letzterem vor allem Verbote ausgeschlossen und als sinnlos abgetan werden. Das ist so richtig schöne Schwarz-Weiss-Malerei.

Weitere Ausführungen zu deinem Posting sind in meinem Blog zu lesen.

Liebe Grüsse
Thomas